Noch ein Radhelm-Leserbrief

Eigentlich ist die Radhelm-Frage nur ein Nebenschauplatz – viel wichtiger ist mir die Infrastruktur und die “Kultur” im Verkehr. Aber sie ist halt ein Aufreger, und so habe ich vergangene Woche einen Leserbrief fürs Main-Echo verfasst, zum Kommentar “Halbherzig und inkonsequent” von Martin Ferber, Main-Echo vom 11.11.2011

Der ist heute erschienen, ungekürzt und sogar die Angabe “VCD Miltenberg, ADFC Aschaffenburg-Miltenberg” haben sie aus der Fußzeile meiner E-Mail entnommen. Ich dachte eigentlich, Leserbriefe werden nur von Individuen veröffentlicht, nicht von “Sprechern für”.

Hier der Wortlaut:

Radhelmpflicht ist nutzlos

Grundsätzlich hat der Autor recht, wenn er Verkehrsminister Ramsauer Inkonsequenz vorwirft, aber der Verzicht auf die Radhelmpflicht ist dafür kein gutes Beispiel. Denn diese wäre aus vielen Gründen der falsche Weg.

Erstens hilft der Radhelm gegen “lästige” Verletzungen wie Platzwunden oder Gehirnerschütterung. Aber um bei tödlichen Unfällen zu helfen – meist werden Radfahrer von rechtsabbiegenden Lkw überrollt – müsste es schon ein Motorrad-Integralhelm sein, damit er etwas nützt, und dann blieben noch die lebensgefährlichen Verletzungen an anderer Stelle.

Zweitens machte eine Helmpflicht das Radfahren für manchen unattraktiv und verstärkte den Eindruck, es sei eine gefährliche Art der Mobilität. Das aber ist statistisch falsch und unerwünscht, denn wir wollen mehr Leute zum Radfahren ermutigen, um die Verkehrswende zu weniger CO2-Produktion, mehr Lebensqualität und mehr körperlicher Bewegung zu schaffen.

Drittens gibt es jetzt schon einen großen öffentlichen Druck, Helm zu tragen. Eine Pflicht würde nur wenige mehr dazu bringen, es zu tun – sei denn sie würde mit Bußgeldern durchgesetzt. Aber niemand kann wollen, dass unsere Polizisten ihre Zeit mit dem Anhalten und Aufschreiben von Radfahrern verplempern.

Und viertens gibt es wesentlich bessere Methoden, den Radverkehr sicherer zu machen: Abbiege- und Bremsassistenten für Lkw, Öffentlichkeitsarbeit (wozu auch gehört, Radfahrer vor den Gefahren durch Rechtsabbieger zu warnen, die durch Radwege erst entstehen), Aufhebung der Radwege-Benutzungspflicht und Neugestaltung innerstädtischer Knotenpunkte mit dem Fokus auf Fußgänger- und Radfahrersicherheit anstatt allein dem Durchsatz an Pkw. Aber das ist natürlich von einem CSU-Minister genauso wenig zu erwarten wie das Ende des deutschen Alleinstellungsmerkmals “Recht aufs Rasen auf Autobahnen”.

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